Ein Automat namens Frauke

September 2018

Ok, der Titel spoilert das Ganze hier schon. Aber der Reihe nach:

Wechsel von DSL zu Unitymedia (=UM) Kabelanschluss. Ohne TV. Nur Internet und - zwangsweise - Telefon. Und hier beginnt das Problem. Wenn man schon zur Rufnummernübernahme gezwungen wird, will man die Nummer ja auch weiter nutzen. Seit ISDN-Einführung in den 90ern hat man sich an *diese* Nummer gewöhnt, alle Providerwechsel hat sie überstanden ;-)

Bei Nummern in Mobilnetzen hat man als Kunde das Recht, die Nummer SOFORT übertragen zu lassen. Läuft der Vertrag noch eine Weile (selbst bei wenigen Tagen), vergibt der Provider bis zum Vertragsende dann halt eine neue Nummer. Bei Festnetzanschlüssen hat der Kunde KEIN Recht auf Herausgabe der Nummer. Ausser bei Vertragsende. Was unsere weisen Volksvertreter sich bei dieser Gesetzgebung gedacht haben, möchte ich lieber erst garnicht wissen.

Ok, den DSL-Anschluss muss man rechtzeitig vor Vertragsende kündigen. Die Kündigungsfrist lässt grüssen, das sind üblicherweise 3 Monate. Die Kündigung gibt der neue Provider an den alten Provider weiter. Selbst wenn das Medium gewechselt wird. Grund ist die Rufnummernübernahme.

Bei DSL zu DSL ist alles easy, alles wechselt zum selben Zeitpunkt. Man darf nur bangen, OB es wechselt. Bei DSL zu Kabel wird der Anschluss aber sofort gelegt. Für den Zeitraum der Kündigungsfrist (plus ein paar Tagen Sicherheit, das liegt an einem selbst) hat man BEIDES verfügbar. Was auch ein Vorteil ist, letztlich gibts definitiv keine Zeit ohne Internet-Anschluss. Wobei man jetzt die Qual der Wahl hat:

1) DSL weiter betreiben und darüber surfen und telefonieren. Dann bleibt erstmal alles beim alten und man surft mit "bis zu xMBit". In meinem Fall wurden "bis zu 16MBit" bezahlt (mehr gibt DSL hier nicht her) und real um die 10,2 MBit geliefert. Eher unattraktiv wenn auf dem anderen Medium 150MBit anliegen.

2) Man wechselt komplett auf Kabel. Surfen mit 150MBit ist im Vergleich dann doch recht attraktiv. Aber die Anrufe auf der eigenen (alten) Nummer kommen nicht an. Und ja, theoretisch kann man die umleiten auf die von UM vergebene Nummer. Das vorhandene DECT-Telefon lässt sich aber nicht nutzen da der DSL-Router auch DECT-Basisstation ist. Man schliesst also alternativ ein Analogtelefon an die ConnectBox an und lebt fürderhin ohne Rufnummernanzeige (das TELEFON kann das, aber die ConnectBox nicht), hat kein Telefonbuch im Telefon etc. Und nein, für die 3 Monate kaufe ich mir kein Luxus-Analogtelefon.

3) Man akzeptiert Kabelsalat, höheren Stromverbrauch und verschwendeten Platz auf dem Schreibtisch und betreibt DSL weiter, nur fürs Telefon. Und parallel dazu die ConnectBox für den Internetzugang. Voila, der Status Quo. Und den will ich endlich los werden.

In der Theorie kann man natürlich auch Nr. 2 wählen und auf die gewohnte Nummer verzichten. Man kann die von UM vergebene Nummer nehmen oder sich via SIP-Provider etwas suchen. Aber hey, ich kenne die alte Nummer und musste sie eh mitnehmen...

Eine eigene FritzBox Cable war bereits zum Zeitpunkt der Einrichtung des Kabelanschluss da. Der Wunsch, diese statt der standardmässigen ConnectBox zu verwenden, war bereits bei der Vereinbarung des Techniker-Termins telefonisch mit angegeben worden. Der Techniker wusste von nichts - nahm den Wunsch zur Kenntnis - und ignorierte ihn. Nachdem er sich ohne grosse Worte verdrückt hatte (ich war in einer geschäftlichen Telko wegen Incident gefangen), sah ich am Anschluss die ConnectBox angeschlossen.

Das sind die Momente, wo man am liebsten die PumpGun rausholen und dem Typen hinterher laufen will.
Inzwischen vermute ich, dass er das gar nicht anders machen darf, sich aber die Diskussion mit den Kunden erspart und lieber klammheimlich verdrückt.

Die FAQ von Unitymedia verweist einen zum Wechsel der ConnectBox auf ein eigenes Modem an die telefonische Kundenbetreuung. Vermutlich, um den Kunden vom Wechsel des Routers abhalten zu können. Ich halte das ausserdem ganz ehrlich für den OPTIMALEN Weg, MAC-Adressen und Seriennummern durchzugeben. Doch, wirklich.

Naja, vielleicht doch nicht. Mit MAC-Adressen haben die es nicht so. Die im Webportal eingetragene MAC-Adresse stimmt nämlich nicht mit der überein, die "meine" ConnectBox ausgibt. Ist nur eine Stelle, in der sich das unterscheidet, aber der Technik ist das egal. Dann wundert es einen auch nicht, dass die im Portal angegebene Rufnummer mitnichten die ist, die die ConnectBox kennt. Ein Anruf vom an die ConnectBox angeschlossenen Analogtelefon auf dem eigenen Mobilgerät hat es verraten nachdem die Rufnummernweiterleitung der DSL-Nummer nicht funktionierte (die Variante 3 in der Liste oben hatte ich ja zumindest ausprobiert). Immerhin ist der Tarif und die Geschwindigkeit die selbe. Ich bekomme also, was ich bezahle.

Nächster Versuch. Eine Anfrage beim alten Provider, ob sie nicht aus Kulanzgründen der vorzeitigen Portierung der Nummer zustimmen könnten. Beim Vertragsende bin ich in Urlaub, wäre ja schön, wenn ich den Wechsel in meiner Anwesenheit mitbekäme und testen könnte. Der Hinweis dazu steht etwas versteckt in den FAQs der UM, die würden also auch vorzeitig die Nummer übernehmen. Ich beisse auf Granit. Mit Hinweis auf die Gesetzeslage wird auf das Vertragsende verwiesen. Vorher *dürften* sie ja nicht. Sehe ich anders: was sie freiwillig tun, dürfen sie natürlich sehr wohl selbst entscheiden. Aber sie WOLLEN offenbar nicht. Ok, ich habs probiert.

Nächster Versuch. Ich bin im Portal der UM eingeloggt und suche schriftliche Kontaktwege. Was einst als nervige Büroklammer "Karl Klammer" in Word für Windows rumgeisterte nennt sich nun "Ubo" (wer zum Geier hat denn *den* Namen ausgesucht?!?!) und nervt im Portal bei UM. Wer länger als 5 Sekunden auf eine Seite schaut, wird von "Ubo" belästigt. Angeblich ein intelligenter Bot. Der aber die einfachsten Fragen missversteht und selbst mit einzelnen Stichwörtern nichts anfangen kann. Das konnte Karl Klammer ja besser. Und das ist 20 Jahre her!

Nächster Versuch. Eine "Mail" an UM. Mit "Mail" meinen die allerdings ein Webformular, in das man seinen Wunsch eintippt. Ich bin zwar zum Zeitpunkt der Tipperei im Portal eingeloggt, der Server weiss also, wer ich bin. Aber ich muss alles nochmal selbst eintippen. Kundennummer, Name, Adresse,... Willkommen im 3. Jahrtausend.

Ich bekomme eine Bestätigung, was ich eingetippselt habe. Sogar vollständig, mit meinem Anliegen in voller Schönheit. Immerhin. Das kommt dann tatsächlich per Mail und nicht per Brieftaube.

Inzwischen sind 10 Tage vergangen und ich habe keine Reaktion. In den Internetforen vermelden andere Kunden Erfolge über den Chat. OK, probiere ich das halt. Also nächster Versuch. Ich bin früh am Nachmittag, nach ein paar Minuten wird das Icon angezeigt. Nein, nicht "Ubo". Da geht ein kleines Fensterchen auf und man kann etwas eintippen. Und damit kommen wir zu Frauke.

Frauke ist der Name der angeblichen UM-Mitarbeiterin, die mit mir chattet. Ich trage mein Anliegen vor und verweise auf die "Mail", die bislang ohne Reaktion blieb und den Wunsch, die eigene FritzBox nutzen zu wollen. Sie hat sofort verstanden, was ich möchte (Der Chat ist aus dem Gedächtnis wiedergegeben, ich habe das leider nicht per Screenshot dokumentiert. Der Ablauf ist aber authentisch):

Frauke: "Per Mail geht das natürlich nicht. Hier ist ein Formular, das bitte ausfüllen, dann kommt ein zweites Formular, in das die MAC-Adresse und die Seriennummer ohne Punkte oder Doppelpunkte einzutragen sind."

Ich: "Das war aber der Weg, auf den per FAQ verwiesen wurde." (Anm., hier irrte ich, aber das spielt hier keine Rolle)

Frauke: "Damit kann ich nichts anfangen. Hier ist ein Formular, das bitte ausfüllen, dann kommt ein zweites Formular, in das die MAC-Adresse und die Seriennummer ohne Punkte oder Doppelpunkte einzutragen sind."

Mich beschleichen LEICHTE Zweifel, ob Frauke wirklich Frauke ist. Kein Lebewesen aus Fleisch und Blut würde *so* reagieren. Oder so schnell tippen.

Ich fülle das Formular aus und schicke es ab. Es dauert einen Moment.

"Frauke": "Da ist eine Rufnummernübernahme für den 15.10.2018 im System vermerkt. Der Auftrag kann daher nicht ausgeführt werden.

Ich: "Und warum kann die Rufnummerübernahme nicht nach Wechsel auf die FritzBox wieder eingetragen werden?"

"Frauke": "Genau. Melden Sie sich am 19.10. wieder und beauftragen Sie den Routerwechsel."

Ich gebe zu, "Frauke" ist intelligenter als "Ubo". Aber definitiv seine Schwester. Wenn einem ein Chat angeboten wird und ein Bot antwortet, insbesondere wenn man noch eine un-intelligente Botvariante auf dem Portal rumgeistern hat, dann darf man sich verar...t vorkommen. Mir ist ein Rätsel, wie andere Kunden sowas als "hilfreichen Mitarbeiter" betrachten können, ohne dass ihnen auffällt mit *was* sie da "chatten".

Ich gebe auf. Und warte bis nach meinem Urlaub und beauftrage den Routerwechsel dann erneut. Per Chat. In der Hoffnung, dass die MAC-Adresse aus dem Formular dann ohne menschliches Abschreiben ins System gelangt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ob meine alte Rufnummer dann tatsächlich überlebt???

Update: meine Rufnummer HAT überlebt. Kurz vor meinem Urlaub bekam ich einen Anruf aufs Mobiltelefon. Ein Mitarbeiter der UM aus Köln war am Apparat und teilte mir mit, dass er die MAC-Adresse meiner FB eingetragen habe und ich in spätestens einer Stunde damit ins Internet käme. Wait, WHAT??? Meine verblüffte Rückfrage wegen der ausstehenden Rufnummernübernahme beantwortete er sinngemäss mit "Oh, das, ja, das kann man im System zurückstellen, aber das wissen die meisten im Helpdesk nicht. Wenn dann die Änderung durch ist aktiviert man das wieder und dann wird das zum passenden Termin ausgeführt. Das hab ich gemacht, sollte funktionieren." Und er sollte Recht behalten. Ich konnte tatsächlich mit der FB ind Internet als ich heim kam (war ich selig!!!) und nach dem Urlaub war die Rufnummernübernahme erfolgreich durchgeführt. Na also, geht doch per Mail. Dann gibts auch keine Übertragungsfehler bei der MAC-Adresse (auf UM-Seite) weil copy&paste...

An der Stelle einen GANZ, GANZ dickes DANKE!!! an den Techniker im 2nd oder 3rd-Level-Support. dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt hatte.

Noch schöner wäre ja ein Web-Interface, in dem man das SELBST eintragen könnte. Gerne mit einer fetten Warnung, dass man das at-your-own-risk tut. Ok, ist viel verlangt, aber man wird ja mal träumen dürfen ;-) Und den Leuten im Hintergrund Arbeit ersparen dürfen. Die haben besseres zu tun als MAC-Adressen einzutragen.